Oldenburgs kulinarische SeitenNicht nur Grünkohl, im Norden gibt's viele Spezialitäten und Genüsse
Oldenburg bietet Touristen mehr als Sehenswürdigkeiten. Eine kulinarische Reise hierher ist lohnend: Cafés, Restaurants und Produzenten, davon viele Slowfood-Mitglieder.
Das "Café Klinge" gibt es bereits seit 125 Jahren. Heuer feiert es Jubiläum und ist in der 4. Generation in Familienhand. Herr Klinge erzählt, seine neueste Kreation sei die Chocolat Laura Caroline. Caroline hieß die Urgroßmutter, Laura heißt die Tochter. Eigens, um die Schokolade zu kreieren, fuhr man gen Paris zum Chocolatier Barry. Man probierte und veränderte den ganzen Tag lang und erarbeitete eine feine Rezeptur. Das Ergebnis ist wahrlich beeindruckend: Die Laura Caroline hat eine beeindruckende Fruchtnote, intensiven Kakaogeschmack und einen schönen Schmelz. Traditionell ist das hier allerdings eine Konditorei, Confiserie und Bäckerei. Der Urgroßvater war einst vom Großherzog zum Hofkonditor ernannt worden. „Uns geht es in erster Linie um Genuss“, sagt Herr Klinge im Reich der Torten am Theaterwall. Außer dem Stammhaus gibt es eine Backstube und zwei Filialen. Schokolade und Kaffee in OldenburgSchokolade und Kaffee gibt es seit zweieinhalb Jahren auch im inhabergeführten "Contigo" in der Staustraße. Nicola und Arne Höper betreiben das liebevoll gestaltete Geschäft mit fair gehandelten Waren. Der Kaffee wird hier dreimal die Woche vor Ort geröstet. Auch Slowfoodies waren schon dabei und ließen sich das Kaffeerösten erklären. „Es gibt zwölf Sorten Kaffee, zwei Sorten Espresso und 40 Sorten Biotee, außerdem Kunsthandwerk“, erklärt Herr Höper. An der Theke kann man gleich probieren. Senf und SoSeDaDen Senf dazu geben kann man in der "Senfonie". „Die Idee dazu entstand vor ca. 30-35 Jahren nach einem Ausflug in die Eifel“, erzählt Bärbel Grunwald. Danach habe ihr Mann, Detlev Grunwald, zu Hause in der Küche mit der Handkaffeemühle angefangen, Senfkörner zu mahlen. Den Senf habe man damals nur für Freunde selbst hergestellt. Heute werden die Körner immer noch im Kaltmahlverfahren wie früher gemahlen. Dadurch bleiben die ätherischen Öle erhalten. Das Sortiment ist groß: Freesen-Mustert bekommt seine Würze durch Kapern und Sardellen und ist auf Plattdeutsch ausgezeichnet. Aber es gibt auch Honig-, Curry- oder Knoblauchsenf und Chutneys. SoSeDa besteht aus Soja, Senf, Datteln und Honig, und natürlich gibt es auch Oldenburger Pinkel-Mostrich. „Der passt besser zum fetten Essen“, so Frau Grunwald. Kräuter und Tafelfreuden in OldenburgIn der "Kräuterei" werden hauptsächlich Pflanzen, aber auch getrocknete Kräuter oder Teemischungen aus kontrolliert biologischem Anbau verkauft. Hinter dem Laden erstreckt sich ein großes Areal mit Beeten und Gewächshäusern, das sanft von der Nachmittagssonne beschienen wird. Eine Katze schleicht sich an und schnurrt um die Beine. „Kerbel ist ein winterhartes Kraut und vietnamesischer Koriander ist wintergrün und lässt sich gut auf der Fensterbank überwintern“, gibt Silvia Heinrich, die Besitzerin, einen Tipp. Zimmerknoblauch, ein Liliengewächs, sei derzeit der Hit und könne ebenfalls gut im Zimmer überwintern. Allerdings ist der intensive Geruch nicht jedermanns Sache. Doch kräuterige Überraschungen gibt es viele hier: Lakritztagetes schmeckt tatsächlich nach Lakritz! Gleich nebenan werden die Kräuter auch vom "Restaurant Tafelfreuden", der Name ist Programm, verwendet. Stefan Aufleger und sein Team bieten regionale und mediterran angehauchte Kochkunst vom Feinsten. Es gibt eine wöchentlich wechselnde Speisekarte, die Freudentafel, und eine feste. Restaurantleiterin Jutta Wendt empfiehlt heute den Gänsebraten frisch aus dem Ofen mit Apfelrotkohl und Serviettenknödeln. Die Gans schmeckt tatsächlich nach Gans und ist nicht durch Gewürze überlagert. Dazu mundet ein Merlot. Ab und an liegt hier auch ein Wasserbüffel auf dem Teller. Marmeladen für LeckermäulerEin paar Ecken weiter ist seit 2002 Almut Hartwigs Marmeladenreich mit ganzen 25 Sorten beheimatet. Außer Marmeladen werden hier auch Gelees, Konfitüren und Rosenlikör bereitet. Die Kinder waren aus dem Haus, und sie fragte sich, ob sie das, was sie für Bekannte machte, nicht auch in größerem Stil anpacken sollte. Aus dem Hobby wurde Beruf und Berufung, aber immer noch werde alles von Hand hergestellt, betont Frau Hartwig. Almuts Lieblingsmarmelade ist Blutorange mit Cointreau, ihr Mann Frank bevorzugt die Orangen-Marmelade 1 nach Wolfram Siebeck gekocht. „Die Besten“ nennt sich die Firma zurecht. Ein Kilogramm Ingwer in feine Stücke schneiden, das dauere 5 bis 6 Stunden. „Ingwer-Konfitüre, dazu ein Stück Roquefort und einen kräftigen Rotwein, einen bequemen Sessel und ein Schild ‚Bitte nicht stören' an die Tür“, sagt Frank lächelnd. Sein ganz persönlicher Traum vom Glück. Nicht nur Oldenburgs Grünkohl mit Pinkel ist also eine Reise wert, und auch im Umland gilt es, kulinarische Genüsse zu entdecken.
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